
MEHR ALS NUR ARBEITSKLEIDUNG
Der blaue Schurz
„Ein Mann ohne Schurz ist nur halb angezogen." So heißt ein Sprichwort. Der blaue Schurz war - und ist es zum Teil heute noch - allgegenwärtig und für gar manchen unverzichtbar. Hans Fink beschreibt es folgendermaßen: „Am Tragen des blauen Schurzes erkennt man den deutschen oder ladinischen Mann Südtirols. Haar-, Haut- oder Augenfarbe können trügen, der blaue Schurz aber kaum. Dieses einfache Kleidungsstück bildet neben Jangger (leichter Männerrock), Hut und Leibl den charakteristischen Teil der Südtiroler Werktagstracht."
Ursprünglich war der Schurz weiß, zunächst aus Leinen, gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde Baumwolle verwendet. Der lange, weiße Schurz, mit dem sich die Bauern nach dem Sonntagsgottesdienst auf dem Dorfplatz oder auf Märkten zeigten, war Ausdruck des Standesbewusstseins. Meist trug ihn nur der Bauer selbst, höchstens noch der Bauernknecht oder der Fütterer, nicht aber der kleine Knecht. Zwischen 1900 und 1950 wurde das weiße „Vortuch", im Dialekt „Fürtig oder Fürchta" genannt, allmählich vom blauen Schurz abgelöst, der in Südtirol dann eine rasche Verbreitung fand. Der Schurz diente in erster Linie als Schutz- und Arbeitskleidung, die in jeder Alltagssituation getragen wurde. Daneben erfüllte er noch andere praktische Aufgaben: als Sack, als Säkorb, als Schweiß- oder Handtuch, und nicht zuletzt diente das Schurzoberteil („Pafer" oder „BrüstI") beim Gang zu den Ämtern und Behörden zum Verstauen von allerlei Papierkram. Die Schurzbänder waren keineswegs zufällig so lang. Riss eines, wurde es immer wieder zusammengeknüpft. Auch dienten sie oft dazu, die Hose oben zu halten. Auf größeren Höfen wurden die Schürzen von den Störschneidern, auf den kleineren von den Frauen am Hof genäht. So haben sich lokale Eigenarten erhalten, wie die Form des Oberteiles oder die Art, wie der Schurz gebunden wird.
Quelle: „Südtirol von A - Z", Eduard Widmoser;
„Aspekte des Funktionswandels der Arbeitskleidung"/„Der Schiern", Barbara Stocker - gerne besorgen wir Ihnen die Bücher oder wenn Sie blaue Schürzen erwerben wollen - bitte Rückfrage an Ihrer Rezeption im Hotel in Meran.


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