Freitag, 23. Juli 2010

Eduard Schütt - Meraner Komponist aus St. Petersburg

Kulturgeschichte aus dem Hotel Adria:
Die Villa Mon Repos neben dem Hotel Adria gibt es nicht mehr. Auch die Erinnerung an ihren Besitzer ist nahezu vollständig verblasst. Inzwischen verstorbene Anwohner beschrieben ihn als „einen distinguierten Herren, eher zierlich von Gestalt, immer adrett gekleidet, mitunter von leicht affektiertem Gehabe, aber vor allem nobel zurückhaltend". Es war dies der Komponist Eduard Schütt.

Eduard Schütts Tod Ende Juli 1933 wurde in der Umgebung kaum wahrgenommen. Was aus dem Nachlass, einer reich bestückten Bibliothek, einem Musikarchiv, einem Bösendorfer-Flügel und dem stilvoll gepflegten Mobiliar geworden ist, ist ebenfalls nicht mehr auszuma-chen. Aber den aufschlussreichen Adressbüchern von Meran ist dann doch eine konkrete Information zu entnehmen: in der Ausgabe des Jahres 1933 ist ein Eintrag verzeichnet: „Schütt, Edoardo, fù Edoardo e fù Brand Emilia, * St, Petersburg, 22.10.1856, musico, via San Giorgio 14, + 26.7.1933."


In den musikologischen Publikationen unserer Zeit ist über Eduard Schütt nichts zu finden. Anders jedoch im Riemann -Musiklexikon des Jahres 1922: Demnach war „Schütt, Eduard, Pianist und Komponist-, Schüler von Petersen und Stein, 1876-78 noch am Leipziger Kon-servatorium gewesen und dann nach Wien gelangt."
1882 spielte er in Petersburg sein Klavierkonzert in g-Moll op. 7 mit großem Beifall. Außerdem veröffentlichte er ein zweites Klavierkonzert op. 47 in f-Moll, eine Serenade für Streichorchester op. 6, Variationen op. 9, eine Reihe von Kammermusikwerken, Klavierstücken, Liedern usw. und eine komische Oper.
Seit 1892 war Eduard Schutt Besitzer der Villa Mon Repos an der damaligen Elisabethstraße in der Gemeinde Obermais. Die Villa wurde 1986 abgerissen und an ihrer Stelle das heutige Wohnhaus Malindi gebaut. In der Villa fühlte er sich wohl, konnte sich seinem Schaffen widmen. Das erwähnte große Klavierkonzert op. 47 entstand Anfang 1895 in Mon Repos.
Er unternahm Reisen nach Wien, Prag, Berlin, London usw., wo er sein Werk vorstellte. Zugleich kündigten sich die Beschwerden an, die dazu führten, dass seine glanzvolle Laufbahn als virtuoser Pianist zu Ende ging; damit kam der Rückzug in die damals ländliche Umgebung seines Refugiums am Rande der Kurstadt.
Eduard Schütt gewann mehr und mehr das Ansehen eines Meisters filigraner Klavierpoesie. Dies scheint in den Anfängen der St. Petersburger Klavierschule begründet zu sein, die geprägt war von der deutschen Klavierromantik eines Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumann. Eduard Schütt seinerseits brachte noch um 1900 eine Revision mit spieltechnischen Hinweisen des gesamten Schumann'schen Klavierwerkes zustande. Darin spiegelt sich auch das nuancenreiche Ausdrucksvermögen des feinsinnigen Interpreten wider, der seine Spielkunst einer nächsten Generation von Pianisten zu vermitteln versuchte.
Der gebürtige Deutschrusse und „naturalisierte" Österreicher war nach der Teilung Tirols 1920 plötzlich und ohne sein Zutun zum „cittadino italiano" geworden, ohne dass es im neuen Staat auch nur das geringste Bestreben zu erkennen gab, eine andere künstlerische und humanistische Tradition zu honorieren.
Erschwerend muss sich da noch die Persönlichkeit Schütts ausgewirkt haben. Er suchte nicht den Umgang mit den Menschen seiner Umgebung. Er beteiligte sich auch kaum am reichen und hochstehenden Musikleben der Kur- und Musikstadt Meran. Es scheint, als ob er sich zunehmend in ein selbst gewähltes melancholisches Reservat einer verbitterten Heimatlosigkeit und verstummenden Resignation zurückgezogen habe.

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