Dienstag, 21. September 2010

Das Elisabeth-Denkmal in Meran

Ihre kaiserliche Hoheit auf Urlaub in Meran

Um es vorwegzunehmen: Das Doppel-S hat die echte Kaiserin nie besessen. Das Sissi oder Sissy wurde für Romy Schneider erfunden. Elisabeth von Österreich aber, die Gemahlin Kaiser Franz-Josephs, schrieb sich Sisi. In der Meraner Sommeranlage hält sie Audienz. In aufrechter, wirbelsäulengesunder Haltung empfängt sie die Besucher mit jener Würde, wie es sich für eine Kaiserin, die noch dazu zu ihrer Zeit als eine der schönsten Frauen Europas galt, gehört.
Ein Elisabeth-Denkmal gibt es, weil sich die Kaiserin mehrmals in der Kurstadt aufgehalten hat.

Doch Sisi liebte nicht nur Meran - damals ein viel vornehmerer Kurort wie heute -sondern auch die Umgebung, die kleinen Dörfer des Burggrafenamtes, des Passeier- und Ultentales. Hoch zu Roß und auf langen Fußmärschen wollte sie im Kronland Tirol schöne, erholsame Tage erleben.
Lieblingsdomizil der Kaiserin war Schloss Trauttmansdorff, welches eigens hergerichtet worden war, um den hohen Gast samt Gefolge als Ferienquartier zu dienen. Heute noch erinnern in vielen Räumen dieses Schlosses Monogramme, Wappen und auch eine Erinnerungstafel an den Aufenthalt der Monarchin. Die Erinnerungstafel verweist auf drei Aufenthalte Elisabeths: 16. Oktober 1870, 5. Juni 1871, - diesmal gemeinsam mit ihrem Gatten Kaiser Franz Joseph I. - und 16. September 1889. Auch im ehemaligen Hotel „Kaiserhof", der heutigen Landeshotelfachschule, die noch immer diesen Namen trägt, bezeugt ein Bildrelief und eine Inschrift, dass Elisabeth zu Besuch war: „Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn wohnte in diesem Haus vom 14. bis 27. September 1897".
Natürlich war die Kaiserin als Landesmutter gesellschaftlicher Mittelpunkt in Meran, und schon damals berichteten die Zeitungen über dieses Ereignis. Für besondere Schlagzeilen sorgte einmal Sisis, Sohn, Kronprinz Rudolf, der sich als Bub bei einem Ausflug in die Naif in der Metznerwand verstieg. Nicht die Mama, sondern die beherzte Kiendlbäuerin befreite den jungen Mann aus seinem Dilemma. Eigentlich hätte die Kurvorstehung von Meran-Mais der Kaiserin nach ihrem plötzlichen, tragischen Tod in Genf am 10. September 1898 eine posthume Ehrung zuteil werden lassen müssen. Sie hat den Meranern nicht nur ein Krankenhaus gestiftet, von dem sie heute noch zehren, sondern mit ihren Reisen nach Meran die Kurstadt als Urlaubsziel noch berühmter gemacht. Doch die Aufgabe, der schönen Sisi ein Denkmal zu setzen, übernahm fünf Jahre nach ihrem Tod Kommerzialrat Emil Dalmata, Edler von Hideghet.
Dalmata, der zeitweise in Meran lebte, war ein leidenschaftlicher Verehrer der Kaiserin gewesen. Er stiftete den Betrag für ein Standbild aus weißem Laaser Marmor, das an die schon zu Lebzeiten von Legenden umwobene Monarchin erinnern sollte. In den mädchenhaften Zügen des Standbildes spiegelt sich - vielleicht unbeabsichtigt - etwas von der ausgeprägten Weltflucht der intellektuellen Kaiserin wider. Das Buch in ihren Händen weist auf ihre musischen Neigungen hin. Sisi hatte einen eigenen Band mit Gedichten verfaßt.
Die schlichte Inschrift „Elisabeth" ohne Hinweis auf Rang und Titel kommt sicher dem seelischen Wesen der Kaiserin nahe. Hofzeremoniell und vor allem die Eitelkeiten des Adels waren ihr stets ein Greuel gewesen.
Am 12. April 1903 wurde das Standbild im Rahmen eines Festaktes enthüllt. Kaiser Franz Joseph hatte als seinen Vertreter den in Tirol sehr beliebten Erzherzog Eugen entsandt. In der Zeit des Faschismus wurde das Standbild in einen abgelegenen Winkel des Parks versetzt. Erst Anfang der 70er Jahre wurde es an den ursprünglichen Standplatz, der mit dem heutigen identisch ist, zurückgebracht. Vor allem der Heimatschutzverein und die Kurverwaltung Meran setzten sich für die Rückführung ein. Heute ist das Elisabeth-Denkmal tagtäglich Ziel interessierter Feriengäste und nicht selten hält Sisi nicht nur das Buch in ihren Händen, sondern auch ein Blumensträußchen. Von Ihrem Relaxhotel in Meran erreichen Sie das Denkmal in einem 10minütigen Fußmarsch entlang der Promenade.
Der Verein Freundeskreis der k.u.k. österreichisch-ungarischen Monarchie mit Sitz in Meran erinnerte am 24. Dezember 1987 mit der Niederlegung eines Blumengebindes am Denkmal und der Abhaltung eines Gedenkgottesdienstes an die 150. Wiederkehr des Geburtstages von Kaiserin Elisabeth.

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