Drei Persönlichkeiten stehen an der Wiege des Kurortes Meran: Der aus dem Passeier stammende Bürgermeister Josef Valentin Haller, der aus München stammende Literat Josef Friedrich Lentner und der 1798 im Obervinschgau geborene Arzt Dr. Bernhard Mazegger, der im Jahre 1840 eine erste Fremdenpension mit Kuranstalt eröffnete und damit die Grundlage für den Kurort Meran schuf.
Mazegger studierte in Wien und Padua Medizin, praktizierte in Bozen und Verona und eröffnete eine homöopathische Arztpraxis in Mailand, die sehr erfolgreich und einträglich gewesen sein soll (Mailand gehörte damals noch zum Habsburgerreich). Von Mailand aus besuchte er Meran, für das er stets eine besondere Vorliebe hatte. 1840 kaufte er in Obermais den Prigibauerhof, wo er dann mit seiner Familie 35 Jahre lang bis zu seinem Tode 1876 lebte.
Hier richtete er auch die erste Pension für Fremde in Meran ein und eine Kaltwasser-Heilanstalt. Wie man in der von seinem Sohn, Sanitätsrat Dr. Bernhard Mazegger, 1905 verfassten ,,Chronik von Mais" nachlesen kann, war die Hauptsaison der Pension damals im Sommer, wo die hier weilenden Familien die Kaltwasserkur anwandten. Im Frühling hingegen war Zeit für die Molkenkur und der Herbst gehörte der Traubenkur. Im Winter blieb die Pension geschlossen.
Merans Aufstieg begann also, und das ist für heutige Begriffe doch überraschend, als Sommerkurort. Dabei weilten im Sommer namentlich italienische Familien hier, was nicht zuletzt auf die Mailänder Praxis Dr. Mazeggers zurückzuführen sein dürfte. Er war es auch, der den ersten Werbeprospekt über den Kurort in deutscher und französischer Sprache herausgab, mit einer sehr gelungenen Ansicht von Obermais im Jahre 1841, die diesen Stadtteil mit den wenigen Bauernhöfen und den von Weinbergen umgebenen Schlössern inmitten einer damals noch sehr ursprünglichen Landschaft zeigt.
Mazegger nahm am politischen Geschehen in Tirol starken Anteil. Zusammen mit Beda Weber, dem angesehenen Chronisten und Professor am Meraner Gymnasium, wurde er 1848 als Abgeordneter zum deutschen Parlament nach Frankfurt am Main entsandt. Doch eine ebenso wichtige Rolle spielte für den Arzt auch die Lokalpolitik, und zwar in einer sehr kuriosen Weise: Mazegger ging es nicht um die Stadt Meran, sondern er träumte von der Entstehung des alten „Maja". Auch der bereits erwähnte Mazegger-Sohn, Sanitätsrat Dr. B, Mazegger (1837-1921) setzte diese Kurortpolitik seines Vaters konsequent fort. Nicht Meran sollte der Kurort werden, sondern das herrlich gelegene Mais. Dieser Wunsch, Triebfeder für das Schaffen Mazeggers, kommt in einem Vorwort zum Ausdruck, welches Mazegger für eine damals entstandene Broschüre schrieb: „Meran ist das Paradies von Tirol“ liest und hört man des öfteren. Wer das sagt oder niederschreibt, hat jedenfalls dabei nicht an die zwischen Küchelberg und Passer eingeengte alte Stadt gedacht, sondern von dem jetzt neu entstandenen Stadtteil sprechen wollen, ganz besonders aber wohl Merans herrliche Umgebung, darunter namentlich MAIS gemeint. Es ist nicht anders! Möge sich jeder davon überzeugen."
Die These vom alten, überschwemmten Maja, die schon damals längst widerlegt war, wurde von Dr. Mazegger Zeit seines Lebens vertreten. Und sein Wunsch, Obermais bzw. Mais von Meran abzutrennen und zu einem selbständigen Kurort zu machen, zieht sich wie ein Faden durch das Lebenswerk des verdienten Arztes.
Nun wurde 1850 in Meran eine Fremdenkommission ernannt, die bereits 1855 zu einer offiziellen Kurverwaltung umgewandelt wurde, und diese Gremien sahen von Anfang an den Zusammenschluss der vier Stadtteile Meran, Ober- und Untermais und Gratsch vor.
Aus heutiger Sicht lässt sich sagen, dass gerade dieser Zusammenschluss ausschlaggebend für den schnellen Aufstieg Merans zum Weltkurort war.
Bernhard Mazegger war anderer Ansicht. Am 13. November 1864 beschloss der Gemeinde-Ausschuss von Obermais, sich von der Kurvorstehung Meran zu trennen. Die k.u.k. Bezirkshauptmannschaft erklärte den Beschluss für ungültig. Das Spielchen wiederholte sich alle paar 3 Jahre wieder.
Die „Chronik von Mais" (im Jahr 1985 als Reprint neu aufgelegt) berichtet eingehend vom Kampf der Obermaiser unter Dr. Mazegger gegen den Kurort Meran, der am 4. Januar 1912 seinen letzten Höhepunkt fand, als in der Kurverwaltungssitzung die Anfertigung der Detailprojekte für den neuen Kurhausbau gegen die Stimmen der Maiser Mitglieder gutgeheißen wurde. Auch der von Mazeggers Sohn Sam l. März 1890 eingebrachte Vorschlag, in allen Kurortveröffentlichungen die Bezeichnung „Meran-Mais" zu verwenden, wurde von der Stadthalterei abgelehnt. Der Kampf Mazeggers und seiner Anhänger gegen den Kurort Meran gehört sicherlich zu den Kuriosa der Kurortgeschichte unserer Stadt. Irgendwie wirkt diese Ansicht heute noch nach, wenn man die Gedenktafel liest, die erst vor wenigen Jahren an seiner Obermaiser Pension (heute Pension „Maria") angebracht wurde. Dort wird Dr. Mazegger als Begründer, des „Kurortes Obermais" bezeichnet.
Im Jahr 1881 wurde dann von 53 Mitgliedern tatsächlich ein Maiser Kurverein gegründet, gewissermaßen als Gegenstück zur Kurvorstehung Meran, an der man aber trotzdem aufgrund bestehender Gesetze weiterhin beteiligt blieb. Der Maiser Kurverein löste sich dann infolge der Kriegsereignisse auf.
Trotz aller Kontroversen hat sich Bernhard Mazegger große Verdienste um den Kurort Meran erworben. Durch großzügige Geld- und Grundspenden trat er in die Fußstapfen von Dr. Tappeiner und Dr. Prünster. Er ermöglichte dadurch die Errichtung der Sommerpromenade und des Roseggerparkes, wo früher auch ein Musikpavillon stand, in dem die Kurkapelle mehrmals in der Woche Konzerte gab.
So wurde aus dem „Bader“ ein Kurarzt und aus dem Kurarzt ein Gründer und Mitbegründer von Meran als weltberühmter Kurstadt! Er baute die erste Fremdenpension in Meran, die „Pension Mazzegger“. In der faschistischen Mussolinizeit, als deutsche Namen in Südtirol verboten waren, wurde sie auf MARIA umbenannt. Das Monogramm stimmte und italienisch war das auch!
Heute erinnert an den ersten Meraner Kurarzt abgesehen von der Gedenktafel an der Pension ,,Maria" (Ecke Georgenstraße-Vergilstraße) auch eine Tafel in der Meraner Ehrenhalle in der
Wandelhalle. Von Ihrem Hotel Adria aus (Ecke Georgenstraße - H. v. Gilm Weg) brauchen Sie keine 2 Minuten zur Pension Maria und zur Meraner Ehrenhalle über die Promenade sind es ca. 10 Gehminuten.
Montag, 13. September 2010
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