Rilke, Kafka und BennSo manchen angehenden Maturanten haben sie zum Schwitzen gebracht. Die Rede ist von Franz Kafka, Rainer Maria Rilke oder Stefan Zweig. Sie und noch viele andere lebten und schrieben für eine kurze Zeit in Meran.
Nicht nur fleißigen Oberschülern ist Franz Kafka ein Begriff. Dass die Handelsoberschule seinen Namen trägt , hängt wohl auch damit zusammen, dass der Prager Schriftsteller gleich mehrere Monate in der Kurstadt weilte. Kafka kam am 3. April 1920 in Meran an und wohnte zuerst im Hotel Emma, dann aber in der Ottoburg in Untermais. Die kleine Pension kam seinen Bedürfnissen nach vegetarischer Kost und ungezwungener Nacktheit (seine Freikörperkultur ist bekannt) mehr entgegen als das große Nobelhotel.
Eine Reihe von Briefen an Schwester Ottla, seinen Freund Max Brod und vor allem an Milena Jesenká, die große Liebe dieser Zeit, dokumentieren Kafkas Meran Aufenthalt. Am 27. Juni kehrte er wieder nach Prag zurück, ohne sich jedoch wesentlich von seinem Lungenleiden erholt zu haben.
Es fällt schon richtig auf, wie viele Schriftsteller um die Jahrhundertwende in Meran Erholung suchten. Die meisten sind zwar mittlerweile in Vergessenheit geraten, etwa Felix Dahn ( sein "Kampf um Rom" war ein Bestseller) oder Gertrud von Le Fort und Fritz von Herzmanovsky Orlando, der hier sogar seinen festen Wohnsitz aufschlug und im evangelischen Friedhof begraben liegt.
Auch Literatur-Nobelpreisträger Paul Heyse verschlug es nach Meran. Der einst viel gelesene Dichter war einer ersten Schriftsteller Kurgäste. Er war am 19. September 1861 mit seiner schwer kranken Frau Grete zur Kur in die Stadt gekommen und wohnte für längere Zeit in der Villa Atzwang. Die drei "Meraner Novellen" entstanden hier. Erwähnenswert, was er einem Freund schreibt: " Die Mädchen von Passeier könnens wohl einmal mit den Lombardinnen aufnehmen und der Terlaner Wein wird entschiedcen das Feld behaupten. "
Ganz anders klingt es rund hundert Jahre später:" Meine Ankunft war reichlich enttäuschend. Es regnete und war kalt. Die Stadt wimmelt von Soldaten mit Feder am Hut und sonst ist es ziemlich schlampig." Gottfried Benn war am 29. März 1952 in Meran angekommen und blieb bis zum 18. April. Er wohnte im Hotel Westend an der Passerpromenade. Hier entstand das Gedicht "März. Brief nach Meran", das der expressionistiche Dichter 1953 in seine Sammlung "Destillationen. Neue Gedichte" aufnahm. Der Abschied fiel Benn dann doch nicht so leicht. In einem Brief blickt er auf "16 herrliche Tage" und meint," keine Frau könnte aufkommen gegen den Ort, die Blüten, die Sonne und den Expresso auf dem Sesselliftrestaurant."
Kaum bekannt ist, dass ein wunderschönes Gedicht von Rainer Maria Rilke in Meran seinen Ursprung hat. "Wenn zwei sich finden tief im Lenzen, muss das ein liebes Wandern sein.", lauten die ersten Verszeilen. Rilke hielt sich im April 1897 mit seiner Mutter kurz in Meran auf. Große Namen folgten: Arthur Schnitzler, der sich hier verliebte, und Stefan Zweig, der mehrmals auf Schloss Labers wohnte. Die Mann-Brüder zog es zur Bäderkur ins Ultental.


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