Freitag, 3. September 2010

Städtische Heilanstalt in Meran


Am 9. September 1905 öffnete die Städtische Heilanstalt an der heutigen Goelhestraße ihre Tore und zählte damit zu einem Krankenhaus mit neuzeitlichem Komfort.

Die Städtische Heilanstalt in Meran zählte bei ihrer Eröffnung 1905 europaweit zu den modernsten Einrichtungen. Die Baumeister Musch & Lun orientierten sich bei der Planung am Pavillonstil. Wichtiger Impulsgeber zur Errichtung eines Krankenhauses war Erzherzog Karl Theodor in Bayern, der als einer der angesehensten Augenärzte seiner Zeit galt.


Die Meraner Zeitung vom 9. September 1905 weiß zu berichten: „In zwölfter Stunde... geht die Eröffnung unseres mit allem Komfort der Neuzeit ausgestatteten Krankenhauses vor sich."
Bereits 1901 hatte Gemeinderat Karl Huber, zugleich Mitglied des städtischen Spitalskomitees, einen Bericht über die Unzulänglichkeit des Stadtspitals vorgelegt- Renate Abram erklärt heute die Bedeutung und Gründung des Spitals wie folgt: Das so genannte Stadtspital war an die Südfront der Heilig-Geist-Kirche angebaut. 1271 gründeten Graf Meinhard II. und seine Gattin Elisabeth von Bayern-Wittelsbach das Heilig-Geist-Stadtspital. Ursprünglich wurden Sieche, Pilger und die Ärmsten der Armen dort untergebracht. Die einheimischen Kranken wurden durchwegs zu Hause gepflegt. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Spital in Betrieb. 1926 wurde es abgerissen und an dessen Stelle ein faschistischer Bau errichtet.
1901 bis 1902 unternahmen Bürgermeister Roman Weinberger, Kurvorsteher Karl Huber und Baumeister Karl Lun zahlreiche Reisen nach Österreich und nach Deutschland zur Besichtigung der neuesten Krankenhäuser. 1903 erstellten die Baumeister Musch & Lun einen Detailprojekt.
„In den Kriegen 1866 und 1870 wurden die Kranken in Baracken und Zelten untergebracht", erklärte Baumeister Karl Lun bei seiner Ansprache zur Eröffnung der Heilanstalt. „Daraufhin sank die Sterblichkeit auf zehn Prozent. Der ganze moderne Spitalbau gründet sich auf diese Erfahrung und die ursprüngliche Form des Pavillons ist die Feldbaracke. Da es sich um ein kleines Krankenhaus handelt, werden nur die ansteckenden Kranken in einem separierten Haus untergebracht. Im Hauptgebäude gibt es vier komplette Pavillons im Parterre, diese Pavillons sind unter einem Dach untergebracht."
1903 begannen die Bauarbeiten. Im September 1905 war das Haus bereits einzugbereit. Das Hauptgebäude war 19.300 Quadratmeter, der Isolierpavillon 2800 Quadratmeter, das Waschhaus 1300 Quadratmeter und die Desinfektionsanstalt samt Leichenhaus 605 Quadratmeter groß.
Bereitgestellt wurden 105 Betten: „Hiervon 16 im Isolierpavillon. zwei für Irre und eines für Häftlinge". Es bestand eine Trennung nach Klassen und gab je eine interne, eine chirurgische und eine Augenabteilung. Die ersten Primare der Städtischen Heilanstalt waren Dr. Plattner für Chirurgie, Dr. Peer für Augenheilkunde und Dr. Frank für Medizin. Acht Pflegeschwestern und zwei angehende Schwestern des Ordens vom Hl. Kreuz nahmen ihren Dienst auf. Der erste Direktor war Dr. Frank, der sich jahrelang mit Fizebürgermeister Huber für das neue Krankenhaus eingesetzt hatte. In seiner Rede zur Eröffnung sprach Fizebürgermeister Huber über die Baugeschichte. Die Meraner Gemeinde kaufte 1901 das Grundstück (an der heutigen Straßenkreuzung der Goethestraße mit der St. Franziskusstraße) von Karl Wenter, dem Besitzer des Dobelhofes. Die Heilanstalt wurde fast zur Gänze auf Rechnung der Stadt gebaut, betonte Huber. Die Gesamtkosten betrugen 877.000 Kronen. Allerdings stammen 80.000 Kronen aus der „Brava-Stiftung“ des Ehepaares Franz und Caroline Brava aus Graz. Weitere Wohltäter waren Herzogin Maria Josephine und Erzherzogin Maria Theresia. So flossen 40.000 Kronen aus dem Erlös der Erzherzogin Maria Theresia – Augenspital-Lotterie in den Bau. „Damals war es durchaus üblich, dass bei Neubauten von allgemeinen Nutzen Basare und Lotterien organisiert wurden, erklärt Renate Abram. „Die Schirmherrschaft wurde meist von Österreich-Ungarisch Hochadel übernommen.“ In der städtischen Heilanstalt war auch das Erzherzog-Karl Theodor- Blindenheim untergebracht. Erzherzog Karl Theodor in Bayer, Sissis Lieblingsbruder, war einer der maßgeblichen Förderer der Einrichtung eines Krankenhauses gewesen. Er übte jahrelang seinen Beruf als Augenarzt in Meran aus und behandelte Arme ohne Bezahlung. Vor der Jahrhundertwende gab es keinen einzigen Augenarzt in Südtirol und viele Patienten waren zum Blindwerden verurteilt. 1858 übersiedelte das Herzogliche Haus samt ärztlicher Ordination in die Villa „Bavaria“, das heutige Hotel „Bavaria“ nahe dem Relaxhotel Adria in Obermais. Von seiner Anwesenheit und seinen Verdiensten zeugen u.a. zwei thronenden Löwen am Eingang des Hotels und eine Büste in der Meraner Wandelhalle.

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