Dort wo die Natur grosszügig ist - wo Zitruspflanzen, Mandelbäume, Feigenkakteen blühen und wo Gemüse, Getreide und Früchte aller Art von aussergewöhnlicher Qualität sind - bietet Sizilien ein derart fantasiereiches und prunkvolles Repertoire an charakteristischen Speisen und Erzeugnissen, dass es mit keiner anderen Region vergleichbar ist. Man betrete nur eine pasticceria (Konditorei) in Catania oder Palermo! Die gastronomischen Stätten sind prächtige Bühnen. Beispielhaft dafür sind der Farbenreichtum und die strukturelle Vielschichtigkeit der cassata, dieser so verführerischen Speise, die in vergangenen Jahrhunderten gewisse Nonnen zur Vernachlässigung ihrer frommen Pflichten verleitete, um sich Ricotta und kandierten Früchten zu widmen.Die Cassata
Bei uns in Südtirol kennt man diese Süssspeise nur in Form eines kugelförmigen Eises mit farbigen Schichten. In Sizilien ist die Cassata eine Mischung aus Biskuit und Ricotta, die mit kandierten Früchten, Schokolade und Zimmt oder Vanille angereichert und oft auch mit farbigen Likören verschieden gefärbt wird.
Der Name cassata stammt aus dem arabischen und bedeutet tiefe runde Schüssel (qas’at).
Die Cassata war früher in Sizilien das eigentliche Osterdessert und gleichzeitig ein Kuchen der an keiner Hochzeit fehlen durfte. Heute ist sie das repräsentativste Dessert dieser Gegend, das bei allen festlichen Gelegenheiten serviert wird.
Konditoren machen daraus regelrechte Kunstwerke. Früher wurde die Cassata nur in Klöstern hergestellt. Die Klosterfrauen waren aber durch die Zubereitung dieses Kuchens so beansprucht, dass sie keine Zeit mehr für ihre Gebete hatten. Verschiedene Synoden gefassten sich mit dieser Angelegenheit, und in der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde in der Diozöse Mazzara del Vallo die Zubereitung der Cassata im Kloster verboten.


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