
Gefeierter und geachteter Maler
Der Meraner Künstler Leo Putz in der Vergangenheit und der Gegenwart
Bereits zu Lebzeiten wurde der Meraner Leo Putz (1869-1940) als einer der erfolgreichsten deutschen Künstler des Jugendstils und des Impressionismus gefeiert. Heute zählt man ihn sogar zu den Wegbereitern des Expressionismus. Sein umfangreiches künstlerisches Werk beeindruckt durch eine unvergleichliche Vielfalt und eine enorme Ausdruckskraft. Schwerpunkte sind Figuren", Akt- und Landschaftsbilder.
Am 18. Juni 1869 erblickt Leo Putz als zweites Kind des Meraner Bürgermeisters Franz Seraphin Karl Putz das Licht der Welt. Sein künstlerisches Talent zeigt sich schon während der Schulzeit- Nach dem Schulabschluss stimmt der Vater einem Studium an der Münchener Akademie der Bildenden Künste (bei Professor Gabriel Hackt) und an der „Academie Julian" in Paris (bei den Professoren Adolphe Bouguereau und Benjamin Constant) zu. 1897 bezieht Leo Putz sein erstes Atelier in München. Zwei Jahre später ist er Mitbegründer der Künstlervereinigung "Die Scholle", die aus der Atelierklasse des Genremalers Paul Höcker entsteht (zu ihr zählen u.a. auch Max Feldbauer, Walter Georgi, Leopold Durm, Fritz und Erich Erler sowie Adolf Münzer). Diese verfolgt den Grundsatz des Individualismus mit der Forderung an ihre Mitglieder, "dass jeder seine eigene Scholle bebaue, die freilich auf keiner Landkarte zu finden sei". Dem vorherrschenden Historismus der damaligen Zeit wird eine neue, temperamentvolle Malweise entgegengesetzt. Außerdem arbeitet Leo Putz intensiv am Wochenblatt „Jugend" mit das viele seiner Werke veröffentlicht.
Die Staatsgalerie Dresden und die Neue Königliche Pinakothek München erwerben ab 1903 mehrere Arbeiten von Leo Putz, der 1909 die bayerische Staatsangehörigkeit erwirbt und einen Professorentitel verliehen bekommt. Schon 1905 entfachte sein als frivol erachtetes Gemälde „Bacchanale" bei einer Ausstellung im Glaspalast in München einen regelrechten Kunstskandal.
Bei Schloss Hartmannsberg im Chiemgau verbringt er die Sommer- und Herbstmonate 1909 bis 1914; diese stellen einen Höhepunkt seines Schaffens dar. Es entstehen die so genannten Hartmannsberger Bilder, welche etwa in Aktstudien badender Mädchen den Zauber und das Licht der Pleinair – Malerei einfangen.
Von 1917 bis 1928 arbeitet Leo Putz vor allem in Gauting bei München, wo er 1923 sein neu erbautes Landhaus bezieht. Sein Schaffensdrang ist ungebrochen- 1925 erhält der Maler die Ehrenmitgliedschaft der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.
1929 bricht Leo Putz mit seiner Familie nach Südamerika auf; bis 1933 arbeitet er in Brasilien und Argentinien. Diese Jahre geben dem Maler neue Impulse. Seine Motive zeigen nun südländische Landschaften und Menschen, die Farbpalette erweitert sich um kräftige und farbenfrohe Töne. Er erhält eine außerordentliche Professur an der „Escola Nacionala de Bellas Artes" in Rio. Die südamerikanischen Werke werden nach seiner Rückkehr bei einer großen Ausstellung 1935 in München gezeigt. In den folgenden Monaten zeigt Leo Putz öffentlich Widerstand gegen den Nationalsozialismus; 1936 muss er nach Meran fliehen.
Sein Werk wird als „entartete Kunst" bezeichnet. Aber auch in seiner Geburtsstadt wird er wegen antinationalsozialistischer Äußerungen angezeigt. 1937 folgt ein Berufsverbot in Deutschland. Bis 1940 durchwandert er den Vinschgau und hält Burgen, Schlösser und Landschaften in seinen Bildern fest. Nach einer Operation stirbt Leo Putz am 21. Juli 1940 in Meran; sein Tod wird in Deutschland und Italien totgeschwiegen. Beerdigt wird er am Gautinger Friedhof.


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