Der Verdinser Waal
…und di Bewässerungsgeschichte in Schenna
Der Verdinser Waalweg bietet eine leichte Wanderung, ist gut ausgeschildert und ideal für diese Jahreszeit. Die Gesamtgehzeit beträgt ca. 3 ½ bis 4 Std.
Es mag schon zutreffen, dass die ersten Waale unseres Landes im Vinschgau entstanden, doch den ersten schriftlichen Nachweis für künstliche Bewässerung liefert uns eine Meraner Urkunde aus dem Jahre 1227, in der von der Schenkung von Wasserrechten im Gebiet von Rametz die Rede geht.
Und dies ist kein Einzelfall; denn von da an tritt uns das Waalwesen des Burggrafenamtes in den Urkunden recht häufig entgegen, so dass zu vermuten ist, dass es auch hier im 13. Jahrhundert bereits eine längere, wenn nicht gar schon sehr alte Tradition gab, wie dies auch die Erwähnung des Maiser Waales im Jahre 1241, wenig später des Purnwaales auf der gegenüberliegenden Talseite sowie verschiedene andere Nennungen aus dieser Zeit andeuten.
Unser Verdinser Waal hingegen wurde erst 1733 erbaut, was allerdings nicht heißt, dass es in der Gegend von Verdins und Schenna nicht auch schon vorher Waale gegeben hätte. Denn das Dorfbuch von Schenna verzeichnet immerhin schon 1591 Mühlrechte, die mit einem Wasserwaal verbunden waren, auch wenn es sich bei diesem so wie bei einer Reihe anderer, bis vor nicht allzu langer Zeit vorhanden gewesener Waale um bedeutend kleinere Wasserführungen gehandelt hat, als der Verdinser Waal es ist, der von seiner Fassung im Masultal bis zu seiner Mündung in den Naifbach immerhin eine Länge von nahezu acht Kilometern aufweist.
Die späte Erbauungszeit dieses Waales ist also kein Hinweis darauf, dass die Bewässerung im Burggrafenamt wesentlich später eingesetzt hätte als anderswo, sondern nur darauf, dass eben der Ausbau der Waale sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt hat, was wir ja auch im Vinschgau vielfach beobachten können, wenngleich gesagt werden muss, dass dort die großen Waale zu einem guten Teil doch früher erbaut wurden als hier in unserem Gebiet.
Wer nun heute einen acht Kilometer langen Verdinser Waal sucht, tut sich etwas schwer, denn hier so wie sonst überall haben sich die Waale wieder gewaltig zurückentwickelt, und so ist auch unser Waal streckenweise verrohrt, und sein Waalweg, der so äußerst beliebt ist und viel begangen wird, ist im wesentlichen nur die rund zwei Kilometer lange Strecke zwischen der Talstation der Taser-Seilbahn und Sankt Georgen. Damit kann sich der Wanderer kaum ein rechtes Bild von der Länge des gesamten Waales und vor allem von der gewaltigen Arbeitsleistung machen, die der Bau, besonders an den Steilflanken des Masulbaches, erforderte.
Aber zumindest eine Ahnung davon vermittelt der für den Fremdenverkehr offen gelassene Waalabschnitt doch, besonders da, wo die Wasserführung als kleiner Stollen die Felsen durchbricht oder — kurz darauf — neben den Stufen der „Katzenleiter" recht abenteuerlich als „fliegende Leitung" den Schnuggenbach überquert.
Und so betrachtet, spielt es dann auch gar keine Rolle mehr, dass der Waal erst im 18. Jahrhundert erbaut wurde, denn den Menschen von damals stand ja auch nicht besseres Werkzeug zur Verfügung als denen früherer Jahrhunderte; und weniger schwierig und gefährlich war die Arbeit auch nicht.
Wenn wir uns hier mit der Geschichte der Bewässerung und der Waale in der näheren und weiteren Umgebung von Schenna befasst haben, so muss noch angefügt werden, dass es nicht immer nur die schriftlichen Quellen allein sind, die uns einen Einblick in die Vergangenheit gewähren. Viele Waale, und so auch der Verdinser Waal und seine kleineren „Brüder", liefern dem aufmerksamen Beobachter schon durch ihre Anlage bereits Anhaltspunkte für eine „relative Chronologie".
Am Schnuggenbach fällt uns etwas auf, das auf den ersten Blick recht rätselhaft erscheint: Hier gibt es einerseits Waale, die am Bach beginnen, und andererseits überquert der Verdinser Waal den Bach, ohne dessen Wasser zu nutzen. Der Grund für diesen seltsamen Umstand ist einfach der, dass beim Bau des Verdinser Waales die Nutzungsrechte am Schnuggenbach bereits anderen Waalbesitzern gehörten, und dies wiederum bedeutet nichts anderes, als dass der große Waal aus dem Masultal jüngeren Datums ist, als etwa der Fünfzehnerwaal oder die Tschifonwaale.
Eine ähnliche „relative Altersbestimmung“ ist aber oft auch anhand des Namens „Neuwaal" möglich, der leicht erkennen lässt, welcher von zwei benachbarten Waalen der ältere ist. Und genau das trifft auch beim Verdinser Waal zu. Denn er hieß ursprünglich Neuwaal und wird von den Bauern auch heute noch oft so genannt.
So können Bauweise und Name eines Waales durchaus die eine oder andere Frage beantworten, und der Verdinser Waal bietet ein besonders gutes Beispiel hiefür.
Wandervorschlag
Allgemeines: Sehr schöne Rundwanderung mit Schenna als Ausgangs- und Endpunkt. Sowohl der Aufstieg zum Waal als auch der; Abstieg erfolgen großteils abseits der Straßen durch Wiesen und Obstanlagen. Der Waalweg führt neben dem wasserführenden, fast zur Gänze offenen und naturbelassenen Kanal teils durch Nadel- und Laubwald, teils durch schöne Kastanienbestände, teils durch Obstgüter. Er zählt zu den meistbegangenen Wanderwegen im Raum Meran. Die |nachfolgend beschriebene Rundwanderung kann auch abgekürzt werden, indem bereits vor dem Ende des Waales auf einem den abzweigenden Wege nach Schenna abgegstiegen wird. Entlang des Waalweges bieten sich immer wieder schöne Ausblicke über den Meraner Stadtkessel und zu den Ultner Bergen.
Die Route in Kurzform: Schenna-Gasthaus |„Prünster"-Waalweg-St. Georgen-Schenna.
Wegverlauf: In Schenna (640 m) zunächst |zum Nordrand des Dorfes und dann den Wegweisern „Waalweg" folgend großteils auf alten Fußwegen durch Obstgüter durchwegs nur mäßig ansteigend, vorbei an Häusern und Höfen, hinauf zum Gasthaus „Prünster" an der nach Verdins führenden Straße, wo der Waalweg beginnt (850 m); ab Schenna gut ½ Std. — Nun auf dem markierten Waatweg zunächst in nahezu ebener Waldwanderung südwärts, dann über die Steinstufen der „Katzenleiter" hinab in einen ^Bachgraben, hierauf wieder eben weiter, | kurz vor einem Hof erneut kurz abwärts, dann |wieder eben in längerer Wanderung zur Gsteirer Straße und nach deren Überquerung rauf dem Waalweg (hier ist der Waal aufgelassen) weiter bis zu Wegweisern, wo die Waalwanderung endet; ab Gasthaus „Prünster" knapp 1 ½ Std. — Nun scharf rechts ab, auf schönem Feldweg durch Wiesen und Obstgüter hinab und zuletzt kurz auf der Straße leicht ansteigend nach St. Georgen (716 m). Von da auf gutem Fußweg (Wegweiser „Schenna") nordwestwärts durch Wiesen hinunter nach Schenna; ab Waal ca. ¾ Std.


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