Dienstag, 14. Dezember 2010

Schokolade das erste Nutraceutical

Als Cacahuatl (Kakao) resp. Xoxocoatl (Schokolade) bei Azteken und Mayas und noch früher Kakawa bei den Olmeken geniesst die Kakao-Bohne in den mesoamerikanischen Kulturen eine besondere Verehrung: sie ist Geschenk und Speise der Götter und Heilmittel für verschiedenste Gebrechen, sozusagen das erste Nutraceutical.
Der Schwedischen Naturwissenschaftler Carl Linnaeus gab der Kakaopflanze 1753 den wissenschaftlichen Namen Theobroma cacao (vom Griechischen theos: Gott und broma: Speise).

Ab Mitte des 16. Jahrhunderts verbreitete sich der Konsum von Kakao rasch über ganz Europa. Der Genuss war vorerst adligen Höfen vorbehalten. Mit der Kakao-Bohne kamen auch die
Kenntnisse über die Heilwirkungen in den alten Kontinent.
Schokolade fand rasch Eingang in die Europäische Pharmakotherapie. Die akademische Medizin des 17. Jahrhunderts sprang auf diesen fahrenden Zug: 1662 veröffentlichte der berühmte englische Arzt und bekennende Schokoholiker Dr. Henry Stubbs sein Lehrbuch über Schokolade: „The Indian Nectar or A Discourse Concerning Chocolata“. Von der Anämie bis zu den Zahnschmerzen fehlt keine Erkrankung, die mit Schokolade nicht erfolgversprechend behandelt hätte werden können.
Bis ins Industriezeitalter blieb die Schokolade ein Luxusgut. Erst Massenherstellung und –konsum brachte die Schokolade zurück in den Fokus der Wissenschaft. Doch diesmal keineswegs als Heilmittel, diesen Rang hatten die Produkte der Pharma-Industrie den Nahrungsmitteln längst abgelaufen*. All die schönen Gesundheitsversprechungen hatten sich in ihr Gegenteil verwandelt: Zahnärzte unterschoben der Schokolade, Karies zu verursachen, die Kardiologen beschuldigten sie, den Cholesterinspiegel zu erhöhen und damit die Ursache von Herzinfarkten zu sein. Für den Diabetologen trug Schokolade Mitschuld an der Zuckerkrankheit, die Dermatologen machten sie für Akne verantwortlich. Internisten sahen einen direkten Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und Schokolade. Wo man auch hinschaute: der Genuss von Schokolade war unverantwortliches Tun wenn nicht gar moralisches Versagen.

* Die Nahrungsmittelindustrie ist heute dabei, den Kampf um den Gesundheitsmarkt mit modernen Waffen wieder aufzunehmen: dieser wird mit „Functional Food“ und „Neutraceuticals“ in den Supermärkten geführt.

Wie Phoenix aus der Asche steigt die Kakaobohne jedoch wieder in ätherische Höhen. Einen der Gründe finden wir wieder in Südamerika, genauer gesagt an der Atlantikküste Panamas und auf einigen der fast 400 vorgelagerten Inseln. Auf rund 60 von diesen leben die Kunas. Kakao hat für sie weder magisches Potenzial noch einen rituellen Wert, sie scheinen jedoch für unsere Verhältnisse ausserordentliche Mengen davon zu konsumieren. Auch dies hätte sie noch nicht ins Fadenkreuz der Wissenschaft gebracht, hätten nicht alle Kunas fast ausnahmslos einen ausserordentlich tiefen Blutdruck. Das war zwar schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt, das „WARUM“ blieb jedoch spekulativ. Vor allem irritierte, dass die Kuna einen
überdurchschnittlichen Salzkonsum aufweisen, was sie nach gültiger Theorie eigentlich zu Hochdruck- Patienten hätte machen müssen. Aus einer Untersuchung von etwas über 300 Kunas wurde der Schluss gezogen, dass wohl der hohe Kakao-Konsum für das Paradoxon tiefer Blutdruck trotz hohem Salzkonsum verantwortlich sein muss.
© by healthcheck gmbh, Zürich

1 Kommentare:

  1. Ja, aber der Durchschnittsdeutsche wird reinen Kakao kaum in diesen Mengen konsumieren (können), weil er einfach zu bitter ist :)

    Und jetzt bitte nicht gleich den Kakao 1:1 durch Schokolade substituieren ;-)

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