Freitag, 11. Februar 2011

Kellerei Terlan: ältere weiße Genossen zum Genießen

Was gut ist, hält auch länger

Alter Wein hat in Südtirol noch nicht seit langem einen guten Ruf. Es gibt den Mythos von den Boscarolli, die vor zwei Generationen den erstaunten Meraner Weinfacleuten auf Schloss Rametz alte und sehr alte Vernatsch und Blauburgunder aufgeschenkt haben sollen. Wenn wir aus der Moderne noch das Phänomen Waschtl Stocker und seine famosen gebunkerten Terlaner Altweine ausklammern würden, dann bliebe in Summe nicht viel Vertrauen in das Alterungspotential der Südtiroler Weine übrig. Stocker hat als Keller-Schaffer von 1955 bis 1993 die besten Terlaner Flaschen im tiefen Keller gelagert - für Verkostungen späterer Jahre, nein: Jahrzehnte! In den ersten Jahren heimlich, weil er wusste, dass er von seinem Kellerei-Vorstand als Spinner abgetan worden wäre, hätten die Vorständler von der Sache gewusst. Heute sind Waschtl Stocker und die alten Terlaner Weine Legende, ja Vorzeigeweine für unsere gesamte Weinregion. Durch Stocker wissen selbst die kapriziösesten Weinschreiber von auswärts, dass Südtiroler Weine langlebig sind.
Auf den sandigen, leicht erwärmbaren Porphyrverwitterungsböden von Terlan gedeiht außerordentlich gut der Weißburgunder, den Stocker besonders pflegte wie auch seine Nachfolger Hartmann Donà und (seit 2001) Rudi Kofler.
Es gab auch in Südtirol eine Zeit - wer erinnert sich noch? -, als Eichenholz-lastige Chardonnays die Weißweinszene wie eine Modeerscheinung beherrschten. Davon ließ man sich jedoch in Terlan nicht anstecken und vertraute bei der weißen Parade-Cuvee „Nova Domus" hauptsächlich auf Weißburgunder, der wohl wie keine andere Sorte nach seiner Lage, nach den Mineralien des Terlaner Bodens schmeckt. Zu den 60% Weißburgunder fügen sich harmonisch als Juniorpartner hinzu etwa 30% Chardonnay sowie eine kleine, hocharomatische Restpartie Sauvignon, die mit zunehmender Flaschenreife ein bisschen tropische Früchte und sehr viel Marillengeschmack entwickelt. Die Gärung erfolgt zur Hälfte in 500-lt-Fässern, sog. „tonneaux" und im großen Holzfass — das hat sich, nach anfänglichen holzbetonteren Jahrgängen, bewahrt. Nach der Gärung reift der junge Wein 12 lange Monate auf der Hefe, nach 18 Monaten erfolgt dieAssemblage der 3 genannten, getrennt ausgebauten Sortenweine. Nach weiteren 2 Monaten wird er in die Flasche gefüllt, wo er nochmals mindestens ein halbes Jahr heranreift.

Der ruhige Rudi Köder lässt seinen Weinen immer viel Zeit. Sehr erstaunlich war der älteste „Nova Domus": Wir erinnern uns, das Jahr 2003 hat uns im Sommer afrikanische Hitzewochen beschert, dementsprechend „breit", barock-füllig war dieser Jahrgang - der- Großteil der 2003er Weißweine musste/sollte deshalb ziemlich jung getrunken werden.
Die große Ausnahme: Terlan! Der 2003er „Nova Domus" zeigt, soweit noch zu finden, immer noch ein kräftiges Säurespiel - und die allgemein bekannte Terlaner „Salzigkeit" - Mineralität verlieh der gewiss nicht geringen Fruchtfülle Flügel. Wer Weine bunkern will für große Festivitäten kommender Jahre und Jahrzehnte: Rudi Koflers „Nova Domus" (am besten in der Magnum) hält, bis man Oma/Opa ist - dann kann man immer noch entscheiden, ob die Flasche in die Erbmasse kommt, oder man denkt endlich an sich selbst und holt den Korkenzieher.
Auf der Weinkarte des Belvita Hotel Adria & SPA finden sich einige der Terlaner Weissweinraritäten, aber auch die klassische Terlaner Rot- und Weissweinlinie. Zum Beispiel: Sauvignon 92, Weissburgunder 90, Weissburgunder „Vorberg“ 05, Sauvignon „Quarz“ 06, Nova Domus 01; aber beeilen, denn Hotelchef Florian Ellmenreich und seine Gäste genießen diese Raritäten auch gerne.
Textquelle: FF-Südtiroler Wochenmagazin 2011

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