Am zweiten Sonntag nach dem kirchlichen Fest Fronleichnam wird in ganz Tirol der„Herz-Jesu-Sonntag" gefeiert.
Heuer fällt dieser Tag auf den 3. Juli. Und wenn Sie da bei Beginn der Dunkelheit in die Berge schauen, werden Sie zahlreiche Feuer leuchten sehen. Es sind die traditionellen Herz-Jesu-Feuer, die in allen Teilen Tirols entzündet werden. Seit 1796 gehören sie zum Bild des Tiroler Sommers und sie gehen auf ein Gelöbnis zurück, das die Tiroler Landesstände abgelegt haben. Damals wurde Tirol von bayrischen und französischen Truppen, angeführt von Napoleon, bedroht. In der großen Not suchte man die göttliche Hilfe und es wurde ein feierlicher Bund mit dem göttlichen Herzen Jesu geschlossen.
Der Krieg des Jahres 1796 traf das Land Tirol völlig überraschend. Unvorbereitet sahen sich die Tiroler einer militärischen Übermacht gegenüber. Seit dem Jahre 1511 hatten die Tiroler nämlich das von Kaiser Maximilian I. gewährte Privileg, außerhalb der Landesgrenzen weder in den Krieg ziehen zu müssen, noch Abgaben für den Krieg leisten zu müssen. Im Gegenzug mussten die Tiroler selbst für die Landesverteidigung sorgen. Kaiser Joseph II. in Wien gefielen diese Privilegien nicht besonders und vernachlässigte daher die Landesverteidigung Tirols. Das bedeutete, dass keine Übungen stattgefunden hatten und dass die Tiroler Landesverteidigung schlecht ausgerüstet dastand.
Im April 1796 wurde Tirol in Kriegsbereitschaft versetzt. Die wehrtauglichen Männer wurden zu den Waffen gerufen und in aller Eile militärisch geschult. Bereits nach drei Wochen wurde eine Armee von 7.000 Mann an die südliche Landesgrenze geschickt. Die Tiroler Landesstände, die die Regierung Tirols bildeten, kamen vom 30. Mai bis l. Juli 1796 in Bozen zusammen um über die Situation zu beraten. Der Abt Sebastian Stöcki vom Stift Stams machte den Vorschlag, das Land dem "Heiligsten Herzen Jesu" anzuvertrauen, um mit göttlichem Beistand der Gefahr trotzen zu können. Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen und der Schwur, der abgelegt wurde, sollte das gesamte Land einschließen, um ein starkes Band zu knüpfen. Der Plan ging auf, denn der Tiroler Landsturm erlebte einen noch nie dagewesenen Zulauf an Freiwilligen.
Als die Tiroler Truppen unter der Führung von Andreas Hofer die anstehende Schlacht gegen Franzosen und Bayern überraschend gewannen, wurde der Herz Jesu Sonntag zum Hohen Feiertag erhoben.
Die Herz-Jesu-Feuer werden heute von Vereinen oder im Freundeskreis vorbereitet und an gut sichtbaren Stellen entzündet. Oft wird das Brennholz dafür stundenlang auf Berggipfel hinauf getragen. Manche Feuer werden in Form des Kreuzes, eines Herzens oder der Jesus-Initialien IHS oder INRI angeordnet. Besonders gut kann man die Feuer von der Dachterrasse des Park Hotel Mignon aus erkennen, aber
auch vom Belvita Hotel Adria aus sieht man die Bergfeuer sehr gut.
Aus: Südtirol 365°
Dienstag, 21. Juni 2011
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