Mozart? Haydn? Beethoven? Lange Zeit wusste niemand so recht, von wem die Musik zum 1818 entstandenen Weihnachtslied „
Stille Nacht, heilige Nacht“ stammte. Der Enkel des Komponisten klärte 1905 auf - von
Meran aus.*
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| Hochwürden Franz Xaver Gruber |
Heute ist die Entstehungsgeschichte der schlichten Weihnachtsweise allseits bekannt: Am 24. Dezember 1818 überreichte der Priester
Josef Mohr aus Oberndorf bei Salzburg seinem Organisten
Franz Xaver Gruber ein sechsstrophiges Gedicht - mit der Bitte, dieses zu vertonen. Innerhalb weniger Stunden fand dieser eine passende Melodie; das einfache Lied wurde noch in der
Heiligen Nacht 1818 erstmals aufgeführt. Bald schon wurden Abschriften erstellt, und so gelangte das Lied in die
ganze Welt. 1839 wurde es bereits unter freiem Himmel in New York gesungen. Der
Name des Komponisten war der Öffentlichkeit lange Zeit nicht bekannt. Ein aufklärendes Schreiben von
Franz Xaver Gruber an die
Salzburger Benediktinerabtei St. Peter ist leider nie angekommen...
Fast ein Jahrhundert nach der Uraufführung trat der Enkel des Komponisten in Erscheinung, der ebenfalls
Franz Xaver Gruber hieß. Der Geistliche wirkte von 1903 bis 1921 als Chordirektor der
Pfarre St. Nikolaus sowie als Präses des Katholischen Gesellenvereins. Er fand in einer Mappe seines
Großvaters eine Abschrift des verschollenen Briefes an die Abtei St. Peter samt dem Notenmaterial. Auf Grundlage dieser Unterlagen verfasste der Pfarrdirektor zu Meran einen ausführlichen
Bericht darüber, wie das
Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ entstanden ist. Dieser wurde dann auch am 23. und 28. Dezember 1905 im „
Burggräfler“ veröffentlicht; eine weitere Abhandlung folgte anlässlich der 100. Wiederkehr der Uraufführung des Liedes, ebenfalls in der genannten Zeitung.
Meran hat somit eine
Schlüsselrolle bei der lückenlosen Aufklärung der Entstehung des Weihnachtsliedes gespielt, das in über
300 Sprachen und Dialekte übersetzt worden ist. Aber mehr noch: Unter Hochwürden Franz Xaver Gruber entwickelte sich in der Passerstadt ein
regelrechter Kult um das Lied. So führte der Enkel des Komponisten am
Heiligen Abend 1918 mit dem
Meraner Pfarrchor die 1845 entstandene Bearbeitung seines Großvaters auf (für zwei Solostimmen mit gemischtem Chor, begleitet von Streichern, Hörnern und Orgel; ursprünglich waren nur zwei Solostimmen mit Gitarrenbegleitung vorgesehen). Für das Turmblasen, ein wichtiger Bestandteil der
Christnacht in Meran, wurde die Originalfassung des Liedes für Bläser umgeschrieben. 1921 kehrte Franz Xaver Gruber als Domkapellmeister nach Salzburg zurück.
Sein Nachfolger, Hochwürden
Alois Baurschafter, setzte die besondere Stille-Nacht-Tradition bis zu seinem Tode 1955 fort. Es kam zu denkwürdigen Aufführungen mit den berühmten Meraner Opernsängerinnen Edith Hölzl (Sopran) und Frieda Cavosi (Alt). Eines der ersten Bücher über das Lied entstand übrigens auch in Meran: Franz Peterlechner, ein Freund und Mitbruder von Franz Xaver Gruber, schrieb dieses in den Wintermonaten, die er im „
Filipinum" verbracht hat.
* Der Text ist eine gekürzte Zusammenfassung von Notizen des langjährigen, inzwischen verstorbenen Kurvorstehers von Meran Siegfried Wenter. Dieser meinte einmal: „Es wäre sicher vermessen, Meran zu einer Stille-Nacht-Stadt zu erklären; an die Rolle, die das Weihnachtslied in Meran gespielt hat, sollte man sich aber erinnern...“
Das
Belvita Hotel Adria und das
Park Hotel Mignon befinden sich beide in der „Stille-Nacht-Stadt“.
Noch mehr zum Thema:
http://www.stillenacht.info/de/
Aus der Zeitschrift: "Meraner Nachrichten, Dezember 11, 11. Jahrgang, Nr. 2.